Brief 1807-12-22/01

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Dresden, 22. Dezember 1807

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Hans von Auerswald


Hochwohlgeborner Herr,

Hochzuverehrender Herr Geheimer Oberfinanzrat,

Ew. Hochwohlgeboren nehme ich mir die Freiheit, in der Anlage die Anzeige eines Kunstjournals zu überschicken, das ich, unterstützt von den Hr. p. Wieland, Goethe, für das Jahr 1808 herauszugeben denke. Mir werden die vielfältigen Beweise von Gewogenheit, die ich, während meiner Anstellung bei der Kammer, in Ew. Hochwohlgeboren Hause empfing, ewig unvergeßlich sein. Durch den Hr. Grafen von Dohna, den ich die Ehre hatte, in Töplitz zu sprechen, werden Ew. Hochwohlgeboren vielleicht schon wissen, daß ich das Unglück hatte, auf meiner Rückreise von Königsberg in Berlin arretiert, und als ein Staatsgefangener nach dem Fort de Joux (bei Neufchâtel) abgeführt zu werden. Über diesen großen Umweg erst ist es mir geglückt, nach Dresden zu kommen, um einen, der Politik in jeder Hinsicht gleichgültigen, literarischen Plan auszuführen, an dem ich arbeitete. Ich empfehle den Phöbus Ew. Hochwohlgeboren Schutz und Beförderung, erneuere mich damit in dem Angedenken Ihrer sowohl, als Ihrer verehrungswürdigen Frau Gemahlin, Fr. und Frl. Tochter, und habe die Ehre, mit der innigsten Hochachtung und Ehrfurcht zu sein,

Ew. Hochwohlgeboren, untertänigster

Heinrich von Kleist.

Dresden, den 22. Dez. 1807

Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123

N. S. Soeben lese ich, in den öffentlichen Blättern, daß S. M. der König nach Elbing gegangen sind. Da Hr. v. Altenstein ihm wahrscheinlich, wohin er auch gegangen ist, gefolgt sein wird, dies aber Ew. Hochwohlgeb. bekannt sein muß, so bitte ich untertänigst, inliegenden Brief gnädigst für ihn auf die Post geben zu lassen. H. v. K.


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