Brief 1811-02-22/01

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Berlin, 22. Februar 1811

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Karl August Freiherr von Hardenberg


Hoch- und Wohlgeborner Freiherr,
Hochgebietender Herr Geheimer Staatskanzler,

Ew. Exzellenz nehme ich mir die Freiheit, inliegende Abschrift eines Schreibens an den Hr. v. Raumer zu überschicken, mit der gehorsamsten und untertänigsten Bitte, die Meinung desselben, in der Sache des Abendblatts, nicht mehr zu Rate zu ziehn. Ich unterstehe mich, gegen die mir von Ew. Exzellenz, in Ihrem gnädigsten Schreiben vom 18. d. gemachten Äußerungen einige ehrfurchtsvolle Vorstellungen zu machen. Ein Blatt ist allerdings ein halbministerielles zu nennen, das, nach bestimmten Verabredungen mit dem Ministerio, geschrieben wird, und in allem, was Gesetzgebung und Finanzverwaltung betrifft, unter seiner speziellen Aufsicht steht. Nur ein Ununterrichteter kann sagen, daß ich in der Herausgabe dieses Blattes nicht beschränkt worden sei, da die außerordentlichen Maßregeln, die mich genötigt haben, den ganzen Geist der Abendblätter umzuändern, nur zu wohl bekannt sind. Was endlich die mir angebotene Pension betrifft, so lasse ich Ew. Exzellenz Meinung, wie es sich von selbst versteht, ehrfurchtsvoll dahingestellt sein; Hr. v. Raumers Meinung aber, in unsrer ersten, auf Befehl Ew. Exzellenz abgehaltenen Konferenz, war, daß ich diese Pension für das Geschäft der Führung dieses Blattes beziehen sollte: wie ich mir auch die Freiheit genommen habe, ihm dies in dem beifolgenden Billett, worauf ich seine Antwort erwarte, zu äußern. Ew. Exzellenz werden das Versehen, womit in dem Abendblatte einmal bewußtlos gegen die Interessen der Staatskanzlei angestoßen worden ist, bei so vielem guten Willen von meiner Seite, es wieder gut zu machen, nicht so streng ahnden; und indem ich nochmals auf mein untertänigstes Entschädigungsgesuch zurückkomme, und inständigst bitte, mich durch einen Bescheid, gnädiger als den erhaltenen, vor der Prostitution zu sichern, welche sonst unfehlbar eintreten würde, das Blatt unmittelbar, noch vor Ablauf des Vierteljahrgangs, aufhören lassen zu müssen, habe ich die Ehre zu sein,
Ew. Exzellenz untertänigster
H. v. Kleist.
Berlin, den 22. Feb. 1811


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