Brief 1811-09-18/02

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Friedersdorf, 18. September 1811


Heinrich von Kleist:

1) Der Krieg zwischen Napoleon und Fr. Wilhelm bricht binnen hier und vier Wochen aus:

2) Die Franzosen fangen den Krieg nicht an; sie setzen den König so, daß er den Frieden brechen muß; und dann erdrücken sie ihn.

3) Das Korps des Königs wird versuchen bei Frankfurt über die Oder zu gehen, es aber nicht bewerkstelligen und sich nach Spandow werfen.

4) Der König, für seine Person, geht nach Kolberg.

5) Für den (nicht erwarteten) Fall, daß der König mit dem Korps über die Oder käme, ist am 14. Okt. eine Schlacht, in welcher er erdrückt wird.

H. v. Kl.

Friedersdorf, den 18. Sept. 1811

Ludwig von der Marwitz:

ad 1) Zwischen Napoleon und Fr. W. kommt kein Krieg zum Ausbruch.

2) Die Franzosen erdrücken (irgend einmal) den König so, daß er einen Krieg anzufangen nicht Zeit hat.

3) Ein Korps des Königs kömmt gar nicht zusammen.

4) Kann sein.

5) Zwischen hier und dem 14. Oktober ist der preußische Staat oder dessen Armee noch nicht vernichtet.

Friedersdorf, den 18. Sept. 1811

Charlotte von der Marwitz:

Mir ahndet, daß die letzte Stunde des Königs geschlagen hat. Er wird seine Natur nie verändern; ewig unentschlossen, wird er alle wohlberechnete Pläne vereiteln und die Kräfte derer die sich für ihn aufopfern wollen lähmen. Es werden auf Gneisenaus Vorschlag alle Waffenfähige zusammen gerufen werden, der König wird sie nicht zu gebrauchen verstehn, alles wird auseinander getrieben, ehe es Konsistenz gewonnen; die es redlich und kräftig meinen, werden allein stehn, und so wird alles seiner Bestimmung dem Untergang entgegen gehen. Eine große entscheidende Schlacht wird nicht vorfallen, sondern einzeln die Korps, durch Übernacht, Uneinigkeit schlechte Anstalt aufgerieben werden.

den 18. Sept. 1811

C. M.



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