Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 130)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Ulrike von Kleist (1828)

Das war nun aber der schwerste Schritt, er hatte bei seiner ersten Abreise nach Paris große Erwartungen erregt, nun sollte er zurückkommen und keine erfüllt haben, das war ihm sehr schmerzlich. Doch überwand er sich, und kam nach Frankfurt. Nun sollte ich mit ihm nach Berlin, wir reisten ab, und er wurde über alle Erwartung freundlich und zuvorkommend empfangen. Leopold [Kleists Bruder] war damals erst kürzlich verheiratet und lebte in Potsdam; es wurde Kleist geraten, da der König sich da aufhielt, auch dahin zu gehen. Wir lebten dort bis nach Neujahr, aber ohne daß Heinrich auch nur das Allergeringste zu seiner Anstellung getan hätte. Der jetzige Minister Altenstein gewann ihn lieb, und handelte für ihn. Eines Tages nahm er ihn in seinen Wagen, fuhr mit ihm zu Hardenberg und sagte: E[xzellenz], hier stelle ich Ihnen einen jungen Mann vor, wie ihn das Vaterland braucht, lernen Sie ihn kennen, und geben Sie ihm eine Anstellung. Hardenberg ließ ihm ins Altensteinsche Büreau arbeiten, und Heinrich arbeitete mit großem Fleiße. Einst sagte er zu Altenstein: Schicken Sie mir nur recht viel. Darauf erwiderte Altenstein: Ich will Ihnen so viel schicken, daß Sie nicht sollen fertig werden. - Das wollen wir sehen. - Und so arbeitet er acht Tage und Nächte ununterbrochen, so daß Altenstein nicht imstande ist, so viel durchzusehen. [LS 139]

(Sembdners Quelle: Hoffmann, Paul: Ulrike v. Kleist über ihren Bruder Heinrich. Euphorion, 1903, S. 105-152)


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