Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 144)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Überlieferung (Bülow 1848)

Als Kleist im Jahr 1804 auf seiner Reise nach Königsberg durch Frankfurt a. O. gekommen war, hatte er es ebensowohl wie seine ehemalige Braut vermieden, einander zu sehen, und erst im Jahre 1806 kamen beide wieder in Königsberg zusammen, wohin die junge Dame, welche sich unterdes verheiratet hatte, mit ihrer Schwester und ihrem Gatten gezogen war.

Das erste Wiedersehen des Paares war ein äußerst peinliches, inmitten einer großen Gesellschaft.

Nachdem sich Kleist eine lange Weile fern von seiner ehemaligen Braut gehalten hatte, ging er auf ihre Schwester zu, die er wieder seine goldene Schwester nannte, und forderte sie zum Tanzen auf. Er sprach weich und herzlich mit ihr, schüttete, unter vielen Selbstanklagen, sein ganzes Herz vor ihr aus und fragte sie, ob sie ihn würden wiedersehen wollen? Die Schwester stellte ihn ihrem Schwager vor, der ihn selbst zu ihnen zu kommen bat, und so ward er bald ihr täglicher Gast, las ihnen seine kleinen, damals noch nicht gedruckten Erzählungen vor und hörte gern ihre Urteile darüber an. [LS 145]

Die beiden Schwestern fanden Kleist stiller und ernster als ehemals geworden, obwohl ihm seine kindliche Hingebung geblieben und seine Phantasie glühender als jemals war. [LS 149]

(Sembdners Quelle: Bülow, Eduard v.: H. v. Kleists Leben und Briefe. Berlin 1848, 45)


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