Heinrich von Kleists Nachruhm (NR 42)

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Heinrich von Kleists Nachruhm. Eine Wirkungsgeschichten in Dokumenten. Herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle NR und laufender Nummer zitiert.]


Nota [zu Peguilhens Zeitungsanzeige von 1811]. An dieser - zuoberst mit drei kleinen Sternen gezeichneten - Todesanzeige fehlt das Datum, doch ist unzweifelhaft die Begebenheit erfolgt im Kometen-Jahre 1811.

Daß öffentlich bekanntgemacht worden der Doppel-Todesfall, war gut. Abzuwenden war nach der Begebenheit der natürliche Gedanke an ein Paar Liebesleute, und notwendig den Leuten ans Herz zu legen das »Richtet nicht!«.

Wie solches aber geschehen in Vorstehendem, bleibt es unter der Kritik. - Dabei denkt sich zuerst an den Bibelspruch: »Wehe dem Menschen, durch den Ärgernis kommt!« hauptsächlich; und beiläufig zuletzt an ein Diktum von Napoleon Bonaparte: »Un sôt ami est un grand malheur!«

Allerneueste Tragödie in einer Nuß

»Quand on a tout perdu, et qu'il n'est plus d'espoir,

Sa vie est un opprobre, et la mort un devoir.«Voltaire: Mérope,Tragédie.

Frei übersetzt:

Er:

Mein Dichtergeist verschmäht die Notdurft zu erwerben.

Sie:

Mir will den keuschen Leib ein böser Krebs verderben.

Beide: So ist das Leben Schmach - so ist es Pflicht zu sterben.

(Er tötet sie auf Verlangen und gleich danach sich selbst. - Ende der Handlung.)

Der Chor, in Schlußrede:

Das ist ein Trauerspiel und nicht erdichtet: -

Er hat sie wirklich hin-, sich selber nachgerichtet. -

Die beiden waren keine Liebesleute. - -

Das Ungeheure jeder also deute:

Den Krebsgang geht die Zeit in diesen beiden. -

Es will der Mann nichts tun, das Weib nicht leiden.

- Wer Beifall klatscht, tu's in des Teufels Namen. -

Gott sei den armen Seelen gnädig!!! -Amen.

(Sembdners Quelle: Berlin: Nachlaß Georg Minde-Pouets in der Amerika-Gedenkbibliothek


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