Brief 1800-08-26

Aus KleistDaten
Wechseln zu: Navigation, Suche

Berlin, 26. August 1800

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Ulrike von Kleist


Berlin, den 26. August 1800

Mein liebes Ulrickchen. Es steht eine Stelle in Deinem Briefe, die mir viele Freude gemacht hat, weil sie mir Dein festes Vertrauen auf meine Redlichkeit, selbst bei den scheinbar widersprechendsten Umständen, zusichert. Du wirst finden daß ich dessen bedarf. Ich teile Dir jetzt ohne Rückhalt alles mit, was ich nicht verschweigen muß. Ich reise mit Brockes nach Wien. Ich werde manches Schöne sehen, und jedesmal mit Wehmut daran denken, wie vergnügt Du dabei gewesen wärest, wenn es möglich gewesen wäre, Dich an dieser Reise Anteil nehmen zu lassen. Doch das Schöne ist diesmal nicht Zweck meiner Reise. Unterlasse alle Anwendungen, Folgerungen, und Kombinationen. Sie müssen falsch sein, weil Du mich nicht ganz verstehen kannst. Halte Dich bloß an das, was ich Dir gradezu mitteile. Das ist buchstäblich wahr.

Du bietest mir Deine ferneren Dienste an. Ich werde davon Gebrauch machen, ohne Deine Freundschaft zu mißbrauchen. Du wirkst unwissend zu einem Zwecke mit, der vortrefflich ist. Ich stehe daher nicht an, Dich um eine neue Gefälligkeit zu ersuchen. Oder eigentlich ist es Brockes, für den ich etwas erbitte.

Brockes reisete mit mir von Coblentz ab, und nannte der Eickstädtschen Familie kein anderes Ziel seiner Reise als Berlin. Du darfst der Gräfin Eickstädt, wenn Du sie in Frankfurt sprichst, diesen Glauben nicht benehmen. Brockes hatte einen Wechsel von 600 Rth., auf einen Bankier in Schwerin gestellt. Es war zu weitläufig, das Geld sich von Schwerin her schicken zu lassen. Er nahm ihn also nach Berlin mit, um ihn bei dem hiesigen mecklenburgischen Agenten umzusetzen. Der aber war verreiset und kein andrer hiesiger Bankier kennt Brockes. Er hat nun also doch von hier aus nach Schwerin schreiben müssen. Wir dürfen uns aber in Berlin nicht länger verweilen. Das Geld könnte frühstens in 4 Wochen in Wien sein. Wir bedürfen dies aber gleich, nicht um die Reisekosten zu bestreiten, sondern zu dem eigentlichen Zwecke unsrer Reise. Ferner würde der Mecklenburgische Bankier dadurch erfahren, daß Brockes in Wien ist, welches durchaus verschwiegen bleiben soll. Uns bleibt also kein anderes Mittel übrig als unsre einzige Vertraute, als Du. Wir ersuchen Dich also, wenn es Dir möglich ist, 100 Dukaten nach Wien zu schicken, und zwar an den Studenten Buchholz, denn so heißt Brockes auf dieser Reise. Das müßte aber bald geschehen. Auch müßte auf der Adresse stehen, daß der Brief selbst abgeholt werden wird. Nun höre die Bedingungen. Du erhältst dies Geld auf jeden Fall, Du magst in unsere Bitte willigen oder nicht, in spätestens 3 Wochen von Schwerin. Brockes hat nämlich auf meine Versicherung, daß Du gewiß zu unserm Zwecke mitwirken würdest, wenn es Dir möglich wäre, bereits nach Schwerin geschrieben, an den mecklenburgischen Minister Herrn von Brandenstein. Dieser wird in Schwerin das Geld heben und es Dir nach Frankfurt schicken. Sollte es Dir also nicht möglich gewesen sein, uns früher mit Geld auszuhelfen, so schicke uns wenigstens das empfangne Geld sogleich nach Wien unter untenstehender Adresse. Solltest Du aber schon aus eigenen Mitteln uns 100 Dukaten überschickt haben, so behältst Du die empfangenen 60 Fr.dor, und Brockes wird sich mit Dir bei unserer Zurückkunft berechnen wegen des Agios. Sollte bei dem zu empfangenden Gelde zugleich ein Brief von Brandenstein an Brokes vorhanden sein, so darfst Du diesen unter der Adresse: an Brokes nicht nachschicken, sondern Du kannst ihn erbrechen und bei Dir behalten, und uns nur den Inhalt melden.

Brokes heißt nicht Buchholz sondern Bernhoff. Die Adresse also ist:

An
den Studenten der Ökonomie
Herrn Bernhoff
Wohlgeboren

zu Wien

(selbst abzuholen)

---

Willst Du mich mit einem Brief erfreuen, so ist die Adresse:

An
den Studenten der Mathematik
Herrn Klingstedt
Wohlgeb.

zu Wien

(selbst abzuholen)

---

Ich brauche doch nicht zu wiederholen, daß niemand dies alles erfahren darf? Niemand weiß es als Du und W.Z., wird es also verraten, so ist einer von Euch unfehlbar der Verräter. Doch wer dürfte das fürchten?

Ich werde Dir gleich von Wien aus schreiben. Ich komme sobald unser Geschäft beendigt ist, nach Frankfurt zurück, und dies geschieht auf jeden Fall vor dem 1. November. Fragt jemand nach uns, so heißt es, ich wäre verreiset, etwa ins Erzgebirge.

Nun bitte ich noch um einige Gefälligkeiten. Ich will meine Kollegia in Frankfurt bezahlen von dem Gelde, welches ich den 1. Oktober von Dames empfangen soll.


Madihn ------------ 10 Rth.
und noch den Preis eines
Buches, dessen Wert ich
nicht kenne.
Huth --------------- 15 Rth.
Hüllmann --------- 15 Rth.</td>
Kalau -------------- 10 Rth.
Mit Wünschen werde ich
selbst sprechen. Grüße ihn
gelegentlich. Auch Hüllmann.
Überhaupt alle.

Sei ruhig. Adieu. H. K.</p>




Zu den Übersichtsseiten (Personen, Orte, Zeit, Quellen)

Personen | Orte | Werke | Briefe | Jahresübersichten | Quellen