Brief 1807-10-03

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Dresden, 3. Oktober 1807

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Ulrike von Kleist


Ich setze mich nur auf ein paar Augenblicke hin, meine teuerste Ulrike, um Dich zu fragen, ob Du nicht einen Brief erhalten hast, den ich schon vor drei Wochen von hier abgesendet habe? In diesem Briefe ließ ich mich weitläufig über meine Lage, über meine Zukunft, und über ein Projekt aus; Dinge, deren keines ich berühren kann, ohne mich auf bogenlanges Schreiben gefaßt zu machen. Ich weiß zwar, daß Briefe von hier in die Lausitz sehr langsam gehen, Lamprecht, den ich hier gesprochen habe, ist einer 19 Tage unterweges gewesen; doch sollte überhaupt vielleicht die Adresse bei Alt-Döbern falsch sein? Und doch weiß ich keine andere zu setzen. - Antworte mir sobald wie möglich hierauf. Denn, wie gesagt, wenn Du diesen Brief nicht erhalten hast, so muß ich ihn noch einmal schreiben; und Du weißt, wie ungern ich an solche weitläufigen Erörterungen gehe. - Ich wollte, Du wärest hier, um Dich mit mir zu freuen, und alles mit eignen Augen selbst zu sehen. Schriftlich, kann ich Dir kaum etwas anderes sagen, als nur im allgemeinen, daß es mir gut geht. Es erfüllt sich mir alles, ohne Ausnahme, worauf ich gehofft habe - gib mir nur erst, wie gesagt, Nachricht von Dir, so sollst Du mehr hören. Es wäre sonderbar, wenn grade der erste Brief, der Dir Freude zu machen bestimmt war, hätte verloren gehen müssen. Grüße alles, lebe wohl und schreibe bald Deinem treuen Bruder

H. v. Kleist.

Dresden, den 3. Oktober 1807

Pirnsche Vorstadt, Rammsche Gasse Nr. 123


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