Brief 1808-06-07

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Dresden, 7. Juni 1808

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Johann Friedrich Cotta


Ew. Wohlgeboren

nehme ich mir die Freiheit, in Betreff einiger Manuskripte, die ich vorrätig liegen habe, folgende Vorschläge zu machen.

1) Ob Dieselben das Trauerspiel: Penthesilea, in Verlag nehmen wollen, wovon, um Ursachen, die hier zu weitläufig auseinander zu setzen sind, bereits 7 Bogen gedruckt sind. Dieser Druck der ersten Bogen schreckt die Hr. Buchhändler ab, das Werk anders, als in Kommission, zu übernehmen, und gleichwohl setzen mich die großen Kosten, die mir der Phöbus verursacht, außerstand, im Druck dieses Werks fortzufahren. Da die verspätete Erscheinung der Dramen, wovon der Phöbus Fragmente liefert, diesem Journal in letzter Instanz tötlich sein würde (indem es nur darauf berechnet ist), so muß ich mich, in dieser Lage, an jemand wenden, dem das Interesse der Kunst selbst am Herzen liegt. Ich bin erbötig, Ew. Wohlgeb. die Bestimmung des Honorars gänzlich zu überlassen und Kredit darauf zu geben, bis Ostern 1809, wenn Dieselben nur die Druckkosten, nach dem inliegenden Anschlag, übernehmen, und mir, zur Fortsetzung des Werkes, übersenden wollen. Wenn es nicht anders, als in Kommission genommen werden kann, so bin ich bereit, auf die Berechnung bis Ostern 1810 Kredit zu geben, falls Dieselben mich, durch einen Vorschuß von 150 Rth., in den Stand setzen wollen, Ihnen das Werk unverzüglich zu liefern. - Ich erbitte mir auf einen dieser Punkte eine gefällige Antwort.

2) Ob Ew. Wohlgeb. den Verlag eines Taschenbuchs übernehmen wollen, wozu ich Denselben jährlich ein Drama im Manuskript, und Zeichnungen von Hr. Hartmann, der Szenen daraus darstellen will, überliefern würde. Ich würde, in diesem Jahre, das Käthchen von Heilbronn dazu bestimmen, ein Stück, das mehr in die romantische Gattung schlägt, als die übrigen. - Doch auch eines der andern Stücke, wovon im Phöbus Fragmente erschienen, stehen Ew. Wohlgeboren zu Diensten. - Es wird nächstens noch eins erscheinen, vielleicht, daß dies Denenselben zusagt. Ich erbitte mir über diesen Punkt, wenn er angenommen wird, gefällige Vorschläge.

3) Erbitten wir uns, Hr. Ad. Müller und ich, da Sie außerstand sind, den Phöbus in diesem Jahr zu übernehmen, wenigstens alle Gefälligkeiten, die nötig sind, ihn zu halten. Wir werden Denenselben eine Kritik (wir hoffen, von Hr. Fr. Schlegel, oder wenn dies nicht sein kann, von Hr. Dokt. Wetzel) der fünf erschienenen Hefte, und eine Inhaltsanzeige des sechsten (in welchem Beiträge von Fr. v. Staël und Fr. Schlegel erscheinen werden) zuschicken und bitten, dieselben gefälligst im Morgenblatt zu verbreiten.

Ich habe die Ehre, mit der vorzüglichsten Hochachtung zu sein,

Ew. Wohlgeboren ergebenster

Dresden, den 7. Juni 1808

Heinrich v. Kleist.

Pirnsche Vorstadt, 123


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