Brief 1809-05-03

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Töplitz, 3. Mai 1809

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Ulrike von Kleist


Meine teuerste Ulrike,

Ich schreibe Dir nur ganz kurz, um Dir einige flüchtige Nachrichten und Aufträge zu geben. Den 29. April habe ich Dresden verlassen. B[uol], mit dem ich, wie ich Dir sagte, reisen wollte, war schon fort; und auch hier in Töplitz, habe ich ihn nicht mehr angetroffen. Alles stand damals so gut, daß ich in Dresden bleiben zu können glaubte; doch die letzten Begebenheiten haben mich gezwungen, von dort hinwegzugehen. Was ich nun eigentlich in diesem Lande tun werde, das weiß ich noch nicht; die Zeit wird es mir an die Hand geben, und Du es alsdann, hoffe ich, auch erfahren. Für jetzt gehe ich über Prag nach Wien.

Inzwischen habe ich von Dresden nicht weggehen können, ohne einige Schulden daselbst zurückzulassen, die zu Johanni zahlbar sind. Nur die Gewißheit, daß mir die Erbschaft alsdann ausgezahlt werden wird, hat diesen Schritt überhaupt möglich gemacht. Ich beschwöre Dich also, meine teuerste Ulrike, für diesmal noch mit Deiner Forderung zurückzustehen, und mir das Geld, zu Bezahlung jener Schuld zukommen zu lassen. Noch weiß ich nicht, ob ich nicht vielleicht in kurzem wieder nach Dresden zurückkehre. Sollte dies nicht geschehen, so bitte ich Gusten, Dir die Zahlung zu machen; und Dich bitte ich, das Geld dem Kaufmann Salomon Ascher, Dresden Große Büttelgasse Nr. 472, gegen Rückgabe der Schuldverschreibungen, zuzustellen. Um den Kaufmann, wegen dieses Umstands, sicher zu stellen, hast Du wohl die Gefälligkeit, ihm, mit wenig Worten, kurz, unter der besagten Adresse, zu melden, daß dies zu Johanni geschehen werde. Versäume dies ja nicht, meine teuerste Ulrike, damit keine, mir auf das äußerste empfindliche, Irrungen daraus entstehen. Lebe inzwischen wohl, wir mögen uns wiedersehn oder nicht, Dein Name wird das letzte Wort sein, das über meine Lippen geht, und mein erster Gedanke (wenn es erlaubt ist) von jenseits wieder zu Dir zurückkehren! Adieu, adieu! Grüße alles.

Dein
H. v. Kleist.
Töplitz, den 3. Mai 1809


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