Brief 1811-06-06

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Berlin, 6. Juni 1811

Absender: Heinrich von Kleist

Adressat: Karl August von Hardenberg


Hoch- und Wohlgeborner Freiherr, Hochgebietender Herr Geheimer Staatskanzler,

Ew. Exzellenz habe ich die Ehre, als ein Zeichen meiner innigsten Verehrung beifolgendes, soeben auf der Messe von mir erschienenes Werk, ehrfurchtsvoll zu überreichen. Ich würde mein schönstes Ziel erreicht haben, wenn ich imstande wäre, dadurch eine Stunde der kostbaren Muße Ew. Exzellenz zu erheitern, und wenn mir der Beifall eines Mannes zuteil würde, der, neben der Kunst zu regieren, sich zugleich als einen der einsichtsvollsten Kenner der Kunst, welche Melpomene lehrt, bewährt hat.

Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, Ew. Exzellenz den empfindlichen Verlust, den ich durch das Aufhören der Abendblätter erlitten habe, und mein gehorsamstes Gesuch um Entschädigung wieder in untertänigste Erinnerung zu bringen. Ich fühle, wie verletzend von mancher Seite die erneuerte Berührung dieser Sache sein mag; aber die gänzliche Unfähigkeit, jenen Ausfall, auf dem meine Existenz basiert war, zu ertragen, zwingt mich, Ew. Exzellenz Gnade und Gerechtigkeit von neuem wieder in Anspruch zu nehmen. Es ist nicht nur Hr. Regierungsrat v. Raumer, sondern auch früherhin schon, und in weit bestimmteren und weitläufigeren Eröffnungen, der Staatsrat, Hr. Gruner, der mir, im Namen Ew. Exzellenz, behufs einer in ihrem Geiste gänzlich veränderten Führung des Blattes, ein Geldanerbieten gemacht haben. Die offiziellen Beiträge sollten bloß statt dieser Geldunterstützung, die ich ehrfurchtsvoll ablehnte, gelten, um den verminderten Absatz, der wegen geringerer Popularität zu fürchten war, zu decken, und der, durch das Ausbleiben dieser Beiträge späterhin erfolgte Untergang des Blattes, ist demnach ein ganz allein durch das Verschulden der Staatskanzlei über mich gebrachter Verlust. Ew. Exzellenz selbst, indem Sie den mir in Ihrem gnädigsten Schreiben vom 26. Februar d. J., über meine Entschädigungsforderung geäußerten Unwillen, durch Ihr huldreiches Schreiben vom 11. März, zurücknehmen und für ein Mißverständnis erklären, scheinen dies zu empfinden; und Höchstdieselben sind zu gerecht, als daß Sie meine Befugnis, eine Entschädigung zu fordern, anerkennen sollten, ohne über diese Entschädigung selbst irgend etwas gnädigst zu verfügen. Ew. Exzellenz ersuche ich ganz untertänigst um die Gewogenheit, mich auf eine, meinen Verhältnissen angemessene Weise, im Königl. Zivildienst anzustellen, oder aber, falls sich eine solche Anstellung nicht unmittelbar, wie sie mit meinen übrigen literarischen Zwecken paßt, ausmitteln lassen sollte, mir wenigstens unmittelbar ein Wartegeld auszusetzen, das, statt jenes beträchtlichen Verlusts, als Entschädigung gelten kann. Ich glaube zu Ew. Exzellenz das Vertrauen haben zu dürfen, mit diesem gehorsamsten Gesuch, dessen Verweigerung mich aller Mittel, ferner im Vaterlande zu bestehen, berauben würde, keine Fehlbitte zu tun, und ersterbe, in Erwartung einer baldigst huldreichen Antwort, in der tiefsten und vollkommensten Ehrfurcht,
Ew. Exzellenz untertänigster
H. v. Kleist.
Berlin, den 6. Juni 1811
Mauerstraße Nr. 53


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