Heinrich von Kleists Lebensspuren (LS 147)

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Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Neu herausgegeben von Helmut Sembdner. München 1996. [In der Kleist-Literatur üblicherweise mit der Sigle LS und laufender Nummer zitiert.]


Wilhelmine Krug, geb. von Zenge, an eine Freundin in Dresden (Leipzig, 26. August 1823)

Als wir den Abend nach Hause gingen, fragten Sie mich: »Ist denn Krug nicht eifersüchtig auf Kleist?« Diese Frage hat mich beunruhigt, und ich fühle mich gedrungen darüber noch etwas zu sagen. Für Krug war meine Jugendgeschichte kein Geheimnis, und als er um mich warb, sagte ich ihm ganz offen daß Kleist mir niemals gleichgültig werden könne, dennoch gab er mir voll Vertraun seine Hand, und hat mir auch nie das geringste Mißtraun gezeigt, im Gegenteil, er war es, welcher Kleist damals in Königsberg wieder bei uns einführte, ohne daß ich den Wunsch geäußert hätte. Als Kleist im Jahre 1806 bei Annäherung der Franzosen Königsberg verließ, und später in Dresden den Phöbus herausgab, brachte mir Krug das darin abgedruckte Gedicht Die beiden Tauben, und sagte: »Sieh, da hat dir dein Freund noch etwas gesungen.« … Ich kann versichern, daß ich es nie bereut habe, nicht seine Frau geworden zu sein, doch ist mir sein Schicksal sehr nahe gegangen, und sein Andenken wird mir immer wert bleiben.

(Sembdners Quelle: Schmidt, Wolfgang (d. i. Erich Schmidt!): Von und über H. v. Kleist. (Privatdruck f. Reinhold Köhler) Berlin 1890)


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